{"id":9634,"date":"2019-09-06T06:08:04","date_gmt":"2019-09-06T04:08:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bustreff.de\/busmagazin\/?p=9634"},"modified":"2019-12-11T16:07:01","modified_gmt":"2019-12-11T15:07:01","slug":"probus-r-xl-schicke-schale-harter-kern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bustreff.de\/busmagazin\/probus-r-xl-schicke-schale-harter-kern\/","title":{"rendered":"Probus R\/XL: Schicke Schale \u2013 Harter Kern"},"content":{"rendered":"<div id=\"pl-9634\"  class=\"panel-layout\" ><div id=\"pg-9634-0\"  class=\"panel-grid panel-no-style\" ><div id=\"pgc-9634-0-0\"  class=\"panel-grid-cell\" ><div id=\"panel-9634-0-0-0\" class=\"so-panel widget widget_sow-editor panel-first-child panel-last-child\" data-index=\"0\" ><div\n\t\t\t\n\t\t\tclass=\"so-widget-sow-editor so-widget-sow-editor-base\"\n\t\t\t\n\t\t>\n<div class=\"siteorigin-widget-tinymce textwidget\">\n\t<p>Midibusse auf Lkw-Verteiler-Fahrgestell sind eine kleine Seltenheit und auch gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig. Dass sie aber auch ihre Vorteile haben gegen\u00fcber Sprinter und Co. zeigt der neue Probus R\/XL auf Iveco Eurocargo ML idealtypisch.<\/p>\n<p>Wer in der Domstadt am Rhein was auf sich h\u00e4lt, der f\u00e4hrt mit Luxusbussen von Weinzierl. So oder \u00e4hnlich w\u00fcrde es die Werbung sagen. Und tats\u00e4chlich: Luxuri\u00f6se Neoplan Starliner fuhren mit dem Unternehmen schon den Toyota Formel-1 Rennstall und ein neuer Skyliner bewegt die langen Jungs der K\u00f6lner Haie und anderer Sportclubs, dazu gesellen sich diverse Politiker auf Wahlkampf- und Sommertouren.<\/p>\n<p>Comfort- und Top-Class von Setra komplettieren den<strong> hochwertigen Fuhrpark von 28 Bussen<\/strong> des in den 60ern von Elmar Weinzierl, dem Vater des jetzigen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrers J\u00fcrgen Weinzierl, gegr\u00fcndeten Unternehmens in K\u00f6ln-Zollstock. Nicht von ungef\u00e4hr ist der Vollblutunternehmer stolz darauf, zum Stadtbild von K\u00f6ln zu geh\u00f6ren. Fr\u00fcher seien es vor allem schrumpfende Reisegruppen und Reiseziele mit herausfordernder Stra\u00dfenf\u00fchrung gewesen, die als Argumente f\u00fcr einen Mini- oder Midibus dienten. \u201e<strong>Heute ist auch noch das Klimaschutzargument dazugekommen<\/strong>. Mit dem ausgewachsenen Gro\u00dfbus wollen gerade kleine und mittlere Gruppen zunehmend ungern verreisen,\u201c so Weinzierl, der sich als Vorsitzender des nordrhein-westf\u00e4lischen Busunternehmerverbands NWO intensiv mit dem Thema Umweltschutz besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p><strong>Er selbst betreibt derzeit vier Busse im Kleinforma<\/strong>t, einer davon ein Mercedes Sprinter sowie ein Probus Maximo auf Daily-Basis. Da lag es nahe, bei einem neuerlichen Bedarf zum Ersatz des in die Jahre gekommenen Mercedes-Benz Tourino wiederum bei den Spezialisten in Herxheim anzuklopfen, um nach den gr\u00f6\u00dften Midibus zu fragen, der zu haben ist. Die bekannte Kleinbusschmiede ist mit Produkten von der spanischen Indcar und des slowenischen Herstellers AS Domzale, der seinerzeit auch f\u00fcr Ernst Auw\u00e4rter in Steinenbronn gefertigt hatte, in dem interessanten Segment von 25-35 Sitzen vertreten, an das der allgegenw\u00e4rtige Sprinter nicht wirklich herankommt.<\/p>\n<p>Und der Platzhirsch der europ\u00e4ischen Minibus-Szene sowie seine Konkurrenten MAN TGE und Iveco Daily haben alle das gleiche Problem: <strong>geringe Innenbreite und kaum Kofferraum<\/strong> geschweige denn gen\u00fcgend Gewichtsreserven im Angebot. Die L\u00f6sung: Ein Lkw-Chassis mit Frontmotor, auch wenn diese Kombination hierzulande ein deutliches \u201eG\u2019schm\u00e4ckle\u201c hat. Auch Weinzierl gibt unumwunden zu, die Entscheidung f\u00fcr das Lkw-Chassis sei eine \u201egewisse Herausforderung gewesen\u201c und \u201eentspreche nicht so ganz unserem Ansatz\u201c. Trotzdem war vor allem die Sitzplatzzahl von <strong>27 Sitzen in Verbindung mit gro\u00dfem Kofferraum<\/strong> und ger\u00e4umiger Hecktoilette ausschlaggebend. Ein Sprinter sei nun mal viel zu eng f\u00fcr diese Anforderungen, die im Hause bis dato ein Mercedes Tourino erf\u00fcllen durfte, der jetzt aufs Altenteil ging.<\/p>\n<p>Zudem ist ein zul\u00e4ssiges Gesamtgewicht von deutlich \u00fcber 7 t n\u00f6tig, die nur der Iveco Daily erreicht. Auch der neue Sprinter Travel 75, der erstmals in Br\u00fcssel auf der Busworld gezeigt wird, begn\u00fcgt sich mit 6,5 t. <strong>Beim Probus R\/XL sind es dagegen stolze 10,2 t<\/strong>. Das bedeutet bei einem Leergewicht von rund 7,5 t eine Zuladung von 92 kg pro Person bei \u00fcppigem 4-Sterne Abstand und Toilette und immer noch 72 kg bei einer Vollbestuhlung mit 35+1+1 Sitzen. Dann d\u00fcrften aber auch die 6 m<sup>3<\/sup> Kofferraum schon eng werden f\u00fcr die gro\u00dfe Reise.<br \/>\nAlso sehen wir uns den slowenisch-pf\u00e4lzischen Midi, der wiederum erstmals auf der Bus2Bus in Berlin gezeigt wurde, mal genauer an. Bis auf die weit \u00fcberstehenden Radh\u00e4user mit kleinen 275er Reifen im Wohnmobilstil ist dem Probus R\/XL seine robuste Bauart nicht auf den ersten Blick anzusehen. Eine moderne, <strong>keilf\u00f6rmige Front im Iveco-Design<\/strong>, klar gezeichnete Seitenw\u00e4nde (allerdings ohne b\u00fcndig abschlie\u00dfende Fensterunterkante, auch eine Dachregenrinne fehlt dem Praktiker) und ein gef\u00e4lliges Heck lassen den Midi auf den ersten Blick in einer h\u00f6heren Klasse daherkommen als Minibusse herk\u00f6mmlicher Machart. Dabei haben die Konstrukteure eine so hohe Bodenh\u00f6he aus dem Hut gezaubert, um den unsch\u00f6nen Motoraufbau neben dem Fahrer weitgehend zu vermeiden. Zudem ist ein sehr breiter und gut begehbarer Einstieg vorne gelungen. Ganz nebenbei ergeben sich so seitlich noch gro\u00dfe Stauf\u00e4cher.<\/p>\n<p>Lediglich links ist nur die H\u00e4lfte dieser Staur\u00e4ume nutzbar, da im vorderen Bereich Elektrik und Co. untergebracht sind. Das reicht fast an einen kurzen Setra S 511 heran, der allerdings rund einen halben Meter baut und preislich rund 100.000 Euro teurer platziert ist.<\/p>\n<p>Mit einem <strong>Radstand von 5,17 m<\/strong> ist der Probus allerdings nicht ganz so wendig wie der Neu-Ulmer, der sich mit rekordverd\u00e4chtigen 17,5 m begn\u00fcgt. Zudem bietet der Probus hinten nur eine Nott\u00fcre mit einer kleinen, selbstausklappenden Treppe. Einen bitter n\u00f6tigen Haltegriff hat man aber schlichtweg vergessen \u2013 wenn den Fahrg\u00e4sten nicht ein beherzter Sprung zugemutet werden soll. <strong>Gegen\u00fcber der Nott\u00fcr ist die Hecktoilette<\/strong> verbaut, die eine ausreichende Stehh\u00f6he von 1,80 m und viel Bewegungsfreiheit bietet. Das sind 20 cm weniger f\u00fcr den Kopf als der Bus generell hat.<\/p>\n<p>Freilich m\u00fcssen die Tanks der Toilette im Winter aufgrund des fehlenden Heckmotors zus\u00e4tzlich beheizt werden. Auch m\u00fcssen Betankung und Entleerung \u00fcber die Notausstieg durch den Innenraum erledigt werden \u2013 keine praxisgerechte L\u00f6sung!<\/p>\n<p>Ansonsten gibt sich der <strong>Innenraum luftig und angenehm<\/strong>. Dank der \u00fcppigen Innenbreite von 2,33 m (beim Sprinter Travel 75 sind es nur 1,85 m) bleibt neben den ausreichend komfortablen Sitzen des Typs Sege 4030X mit vorne extrem nachgebendem Sitzkissen noch ein breiter Mittelgang von bis zu 42 cm \u00fcbrig. Ob die 17 cm hohen Podeste nun praktisch sind ober nicht, ist wie immer eine Frage der Philosophie, die sich hier wiederum nicht final beantworten l\u00e4sst. Wir f\u00e4nden es allerdings gut, wenn sie genauso perfekt mit LED-Leuchten indirekt illuminiert w\u00e4ren wie die Einstiegsstufen vorne. Servicesets und Gep\u00e4ckablagen sind selbstverst\u00e4ndlich auch an Bord und gut nutzbar.<\/p>\n<p>Mit den Kunststoffverkleidungen zwischen den Sets h\u00e4tte man sich allerdings bei der Produktion etwas mehr M\u00fche geben k\u00f6nnen. Alles in allem geht die Verarbeitungsqualit\u00e4t aber in Ordnung. Bei einem s<strong>ehr attraktiven Preis von rund 185.000 Euro<\/strong> mit Automatikgetriebe darf man mithin keine Premiumqualit\u00e4t erwarten.<\/p>\n<p>Und was erwartet des Fahrer auf dem Kapit\u00e4nssitz? Erst einmal ein recht <strong>gro\u00dfz\u00fcgiger Arbeitsplatz<\/strong> mit einer \u00fcppigen Panoramascheibe (1,6 m H\u00f6he) und Kaffeemaschine in Reichweite direkt vor dem ebenfalls verf\u00fcgbaren K\u00fchlschrank nebst W\u00fcrstchensieder \u2013 andere K\u00fcchenvariationen sind auch m\u00f6glich. F\u00fcr einen Begleitersitz mit gen\u00fcgend Knieraum ist ebenso ausreichend Platz eingeplant, auch wenn es f\u00fcr den zweiten Offizier etwas an Ablagefl\u00e4chen fehlt. Ein paar Schrulligkeiten lassen sich nat\u00fcrlich bei dem hierzulande eher un\u00fcblichen Konzept nicht vermeiden, so das optische Auff\u00fcllen der seitlichen Verbreiterungen \u00fcber das Serien-Daily-Cockpit hinaus.<\/p>\n<p>Das st\u00f6rt aber weniger als die teilweise <strong>un\u00fcbersichtliche Anbringung vieler Bedienelemente<\/strong>, zudem ist das Fahrerfenster weit hinten platziert und etwas schwerg\u00e4ngig. Die Reisebusau\u00dfenspiegel wirken fremd an den B-S\u00e4ulen, tun aber ihren Dienst, wenn sie auch mit recht gro\u00dfe tote Winkel aufwarten. Da macht es durchaus Sinn, wenn der Kunde die Ausstattung mit geregeltem ACC und Notbremsassistent um ein Mobileye Shield+ System erweitert, wie es MAN derzeit fl\u00e4chendeckend einf\u00fchrt.<\/p>\n<p>Auch beim Fahreindruck will sich <strong>erstmal wenig Busfeeling<\/strong> einstellen. Zwar sind Luftfederung vorne und hinten Serie, aber die grundlegende Parabolfederung mit Einblattfeder hinterl\u00e4sst einen wenig komfortablen Grundeindruck. Auch die robuste Starrachse vorne tr\u00e4gt zu diesem spr\u00f6den Eindruck bei, an den man sich aber durchaus gew\u00f6hnen kann.<\/p>\n<p><strong>Eher zum Abgew\u00f6hne<\/strong>n f\u00fcr einen eingefleischten Busfahrer sind dagegen die Motorger\u00e4usche des Iveco Sechszylinders Tector E22 mit 6,7 l und 220 PS Leistung sowie 800 Newtonmeter an maximalem Drehmoment. Im Cockpit sind im Fahrbetrieb bei 100 km\/h denn auch rund 75 Dezibel keine Seltenheit, unter Volllast d\u00fcrfen es auch mal 80 sein \u2013 und im Heck geht es nicht wesentlich leiser zu. Die Edelstahltr\u00e4ger des Chassis Eurocargo ML 100E22\/P \u00fcbermitteln den K\u00f6rperschall offenbar einfach zu gut. Neben einer leichten Anfahrschw\u00e4che gibt sich der Sechszylinder aber dann aber ober heraus recht durchzugskr\u00e4ftig und ist mit dem Sechsgang-Automaten gut abgestimmt.<\/p>\n<p>Beim Verz\u00f6gern hilft die <strong>Telma-Wirbelstrombremse<\/strong> zupackend, sie entl\u00e4sst ihre Energie wie vor 50 Jahren als ungenutzte Abw\u00e4rme. Der Verbrauch von 19 l leer bis 21 l im Einsatz kann als angemessen, wenn auch nicht herausragend gelten. Erwartungsgem\u00e4\u00df und konzeptbedingt ist das Achtgang-HiMatic aus dem Daily oder das Allison F\u00fcnf-Gang-Wandlergetriebe f\u00fcr das eher grobschl\u00e4chtige Fahrgestell nicht zu bekommen. Ein Schaltgetriebe allerdings genauso wenig.<br \/>\nDennoch: Dieses in Deutschland eher exotische Midibus-Konzept auf einer robusten Lkw-Basis macht durchaus Sinn, bekommt der Kunde doch viel Bus f\u00fcr wenig Geld und nur kleinen Abstrichen f\u00fcr den Fahrgast. Und warum sollte der Bus nicht mal vom eigentlich ungeliebten gro\u00dfen Bruder profitieren?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Text: Olaf Forster<\/p>\n<p>Bildquelle: Olaf Forster<\/p>\n<\/div>\n<\/div><\/div><\/div><div id=\"pgc-9634-0-1\"  class=\"panel-grid-cell\" ><div id=\"panel-9634-0-1-0\" class=\"so-panel widget widget_sow-image panel-first-child panel-last-child\" data-index=\"1\" ><div\n\t\t\t\n\t\t\tclass=\"so-widget-sow-image so-widget-sow-image-default-8b5b6f678277-9634\"\n\t\t\t\n\t\t>\n<div class=\"sow-image-container\">\n\t\t<img \n\tsrc=\"https:\/\/www.bustreff.de\/busmagazin\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/P1022798-512x384.jpg\" width=\"512\" height=\"384\" srcset=\"https:\/\/www.bustreff.de\/busmagazin\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/P1022798-512x384.jpg 512w, https:\/\/www.bustreff.de\/busmagazin\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/P1022798-200x150.jpg 200w, https:\/\/www.bustreff.de\/busmagazin\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/P1022798-768x576.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 512px) 100vw, 512px\" alt=\"\" \t\tclass=\"so-widget-image\"\/>\n\t<\/div>\n\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Midibusse auf Lkw-Verteiler-Fahrgestell sind eine kleine Seltenheit und auch gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig. 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